Dezember 2016, ein Artikel des Tagesanzeigermagazins (Grassegger, Krogerus) befasste such mit dem Thema #BigData und Wahlen in Reaktion auf eine Pressemitteilung der Firma Cambridge Analytica, welche voller Stolz informierte «Wir sind begeistert, dass unser revolutionärer Ansatz der datengetriebenen Kommunikation einen derart grundlegenden Beitrag zum Sieg für Donald Trump leistet».

Wir alle wissen seit langer Zeit, dass Daten über uns als Bürger und Konsumenten gesammelt werden. Seit zwanzig Jahren befasst sich CRM mit Kundensegmentierung mit der Absicht personalisierte Angebote anbieten zu können. In den heutigen Marketingausbildungen wird diese technische Fähigkeit Menschen während der gesamten Customer Journey zu “begleiten” gepriesen. Google’s Geschäftsmodell basiert zu einem grossen Anteil auf dieser technischen Möglichkeit.

Und so wird eifrig gesammelt und riesige Datenberge erstellt. Dem Bürger/Konsument wird vermittelt, dass dies zu seinem Wohle sei und es – wie gesagt – möglich mache, personalisierte Angebote von Produkten und Dienstleistungen zu präsentieren.

Es gibt nun (fast) kein Unternehmen, welches nicht Daten über bestehende und zukünftige Konsumenten sammelt. Vom Retailer bis hin zur Krankenversicherung werden Apps entwickelt, welche uns glaubhaft machen, dass dies zu unserem Nutzen ist. «Daten sind das neue Gold» ist eine Aussage, welche man fast täglich irgendwo lesen kann. Facebook & Co. verdienen damit riesige Summen.

Die Frage «wem gehören eigentlich die Daten», ist nicht einfach zu beantworten und aus diesem Grunde scheint man sich heute mit den gängigen Definitionen zu begnügen. Als «persönliche Daten» werden Informationen bezeichnet wie Name, Vorname, Geburtsdatum usw. welche geschützt werden durch die heutigen Gesetze. Alle anderen Daten, generiert durch unser Verhalten werden gesammelt und gemäss den Firmen «anonymisiert», so dass keine direkten Rückschlüsse auf eine Person möglich seien. Dieses werden als «pseudonyme Daten» bezeichnet.

Welche Datenspuren hinterlassen wir alle heute? Ein kleiner Reminder ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

  • unsere Internutzung
  • unsere Smartphone-Nutzung (vom Telefonieren, über Messaging und Bewegungen bis hin zu den einzelnen Apps)
  • unser Einkaufsverhalten (man denke dabei an Cumulus-Karte usw.)
  • unser Finanzverhalten (unsere Banktransaktionen)
  • unsere Bewegungsdaten via GPS-Navis usw.

Die digitale Transformation bescheht  uns mit Möglichkeiten, welche schier unbegrenzt zu sein scheinen. Die Entwicklung im Bereich #AI und #MaschineLearning sind heute weit fortgeschritten. So ist es heute bereits möglich, basierend auf 300 – 500 Worten ein umfassendes Psychoprofil eines Menschen zu erstellen, welches erstaunlich akkurat ist. Kürzlich konnte ich mich mit einem Inhaber einer auf diese Art von Tätigkeit spezialisierte Firma unterhalten. Unter Einbezug von Daten des öffentlichen Raums, kann diese Firma erstaunliche Ergebnisse erzielen. Genutzt werden sie heute nicht nur im Umfeld des politischen Campaignings, sondern auch in vielen anderen Anwendungsgebieten.

Es ist mehr und mehr störend, dass Firmen mit Daten der Menschen riesige Summen verdienen, ohne dass die eigentlichen «Besitzer» – Du und Ich – einen unmittelbaren resp. spürbaren Nutzen davon haben. Es geht überhaupt nicht darum, den Fortschritt zu verhindern, im Gegenteil. Dieser Fortschritt bietet uns zum Teil noch ungeahnte Möglichkeiten unser Leben zu vereinfachen und zu verbessern. Die Frage bleibt: «ist das bisherige Vorgehen gerecht?», «ist das bisherige Vorgehen unter Kontrolle?», «verfügen wir über die zweckmässigen Instrumente, möglichen Missbrauch zu unterbinden?» u.v.m. In meinem Buch «Mission (im)possible? – Erfolgreiche Bewältigung der digitalen Transformation für KMUs» habe ich das Thema aufgegriffen und einen möglichen Lösungsansatz skizziert (Seiten 194ff).:

…Digitale Selbstbestimmung – in der disruptiven Version – besteht aus folgenden Teilen:

  • Jede Person, jeder Bürger ist Mitbesitzer einer länderspezifischen Genossenschaft (nachfolgend Plattformanbieter genannt), die als Geschäftsmodell die Bewirtschaftung und die Zurverfügungstellung der persönlichen Daten zum Ziel hat.
  • Auf dieser Plattform bewirtschaftet jeder Bürger seine Daten selbstständig und ist für sie verantwortlich. Dazu gehören nicht nur seine persönlichen Angaben, sondern auch seine Präferenzen als Konsument: Was will ich, was will ich nicht? Was erlaube ich, was erlaube ich nicht?
  • Das ganze Konstrukt ist eine Dreiecksbeziehung: Person – Plattformanbieter – nutzende Firma. Diese gilt es vertraglich sauber zu regeln. Trotzdem braucht es noch so etwas wie ein Kontrollorgan (etwa ähnlich der Schweizer Finanzmarktaufsicht FINMA), das sicherstellt, dass der Plattformanbieter vorgängig prüft, ob der Nutzer dieser Personendaten vertrauenswürdig ist oder nicht. Für einen Verbraucher ist es wahrscheinlich eher schwierig, selber beurteilen zu können, wem man den Zugriff auf seine Daten erlaubt.
  • Der Bürger/Konsument wird auch darüber informiert, wenn eine Firma aufgrund von Fehlverhalten usw. nicht mehr zum Kreis der «Vertrauenswürdigen» gehört.
  • Rechte und Pflichten des Bürgers und des Bezügers von Daten sind klar definiert und entsprechen den Datenschutzgesetzen.
  • Firmen und Organisationen legen einen klaren, konkreten Gegenwert für die Daten fest und kommunizieren diesen zusammen mit ihren Produkten und Dienstleistungen. Der Gegenwert kann – muss aber nicht – pekuniärer Art sein.
  • Technologisch wird auf die Blockchain-Technologie gesetzt…

Blockchain-Technologie könnte eine der möglichen Technologien sein, welche diesen Lösungsansatz unterstützen können. Wir könnten die Kontrolle über unsere Daten zurückerhalten.

Nutzen für den Bürger

Jeder Bürger, jede einzelne Person erhält in diesem Modell die Herrschaft über seine Daten zurück. Für die Freischaltung ihres Datenprofils – ganz oder in Teilen – erhält die Person einen konkreten Gegenwert vom Bezieher. Dieser Gegenwert ist ihr klar, bevor sie ihre Daten freigibt. Durch die Nutzung der Blockchain-Technologie sind ihre Daten und die dazu gehörenden Prozesse sicher.

Nutzen für den Staat

Der wirtschaftliche Aufwand für den Staat, Daten seiner Bürger zu bewirtschaften, wird optimiert. Das Aggregieren mit weiteren für den Staat relevanten Daten wird ebenfalls vereinfacht. Die Schaffung der rechtlichen Rahmenbedingungen für dieses Geschäftsmodell schafft Rechtsklarheit. Die Sicherheit der Daten ist durch den Einsatz der Blockchain-Technologie gewährleistet.

Nutzen für die Wirtschaft

Der Aufwand für ein Unternehmen, eine eigene Kundendatenbank zu bewirtschaften, entfällt fast gänzlich. Der Zugang zu zielgruppenspezifischen Profilen wird günstiger, da diese von der Genossenschaft respektive Plattform geliefert werden. Für das Unternehmen liegt zudem größere Rechtssicherheit vor, da die Daten vom Besitzer selbst freigeschaltet werden, und es profitiert noch mehr von der von ihm gewährten Kundenerfahrung, indem es sichtbare Bewertungen erhält.

Lesenswerte Artikel zum Thema:

https://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/standardgebt-uns-unsere-daten/story/13078584 http://www.persoenlich.com/marketing/schweizer-werber-entdecken-cambridge-analytica-fur-sich http://www.persoenlich.com/medien/magazin-autoren-geben-ihren-kritikern-recht
http://solutions.ironmountain.ch/de/ch_brand_google?gclid=CjwKCAjw7tfVBRB0EiwAiSYGMzkj4B_Qj68-qPxN1qjFedtmDKaN7kxCcXWEvWwn1cqGX0mua2tDzBoCOJEQAvD_BwE 

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