#disruption ist in aller Munde. Jeder versteht etwas anderes darunter, was nicht unbedingt hilfreich ist. Ich erhebe keineswegs den Anspruch die einzig richtige Definition abzuliefern, möchte jedoch in diesem Beitrag einige Gedanken loswerden.

Disruption ist ein Prozess, bei dem ein bestehendes Geschäftsmodell oder ein gesamter Markt durch eine stark wachsende Innovation abgelöst beziehungsweise „zerschlagen“ wird.

Disruption

Quelle: www. gründerszene.de

Der Begriff „#Disruption“ leitet sich von dem englischen Wort „disrupt“ („zerstören“, „unterbrechen“) ab und beschreibt einen Vorgang, der vor allem mit dem Umbruch der Digitalwirtschaft in Zusammenhang gebracht wird:

Bestehende, traditionelle Geschäftsmodelle, Produkte, Technologien oder Dienstleistungen werden immer wieder von innovativen Erneuerungen abgelöst und teilweise vollständig verdrängt.

Insbesondere in der Startup-Szene ist der Begriff „Disruption“ eine beliebte Vokabel, da er das revolutionäre Denken eines Gründers zum Ausdruck bringt.

Innovation vs. disruptive Innovation

Der Unterschied zwischen einer normalen Innovation, wie sie in allen Branchen vorkommen kann, und einer disruptiven Innovation liegt in der Art und Weise der Veränderung. Während es sich bei einer Innovation um eine Erneuerung handelt, die den Markt nicht grundlegend verändert, sondern lediglich weiterentwickelt, bezeichnet die disruptive Innovation eine komplette Umstrukturierung beziehungsweise Zerschlagung des bestehenden Modells.

So bedeutete beispielsweise die Erfindung der CD lediglich eine Weiterentwicklung des klassischen Plattenspielers. Presswerke, die für die Herstellung des Plattenspielers verantwortlich waren, passten ihr Verfahren an die neue Compact Disc ein, während Händler begannen, die CD in ihr Produktsortiment aufzunehmen.

Das Aufkommen digitaler Musikvertriebe, wie zum Beispiel dem iTunes-Music-Store, bedeuten hingegen die schrittweise Zerschlagung des lokalen Musikgeschäfts. Sie leiten einen disruptiven Prozess ein. Indem iTunes einerseits dem Kunden die Möglichkeit gibt, seine Lieblingssongs online zu erwerben und andererseits dem Künstler erlaubt, ohne Plattenlabel erfolgreich zu sein, werden Händler und Presswerk gleichermaßen ihrer Basis beraubt.

Disruption als „The Innovator‘s Dilemma“

Nach der 1997 von dem Harvard-Absolventen Clayton Christensen entwickelten Theorie der Disruption wird jedes noch so erfolgreiche und etablierte Unternehmen eines Tages von einer solchen existenzberaubenden Revolution bedroht. Christensen beschreibt diesen disruptiven Prozess dennoch als notwendig für eine funktionierende Weiterentwicklung des Marktes.

Die Verlierer sind laut Christensen in diesem Fall große Unternehmen, die ihrerseits ebenfalls einst mit einer radikalen Innovation ins Geschäft eingestiegen sind. Dass jene Unternehmen, vornehmlich aus der Technologie-Branche, dem disruptiven Prozess gnadenlos erlegen seien, begründet der Ökonom mit der Verantwortung, die jedes große Unternehmen automatisch besitze. So sei es für etablierte Unternehmen geradezu ein Ding der Unmöglichkeit, ihr Geschäftsmodell von Grund auf zu verändern. Ausschließlich Neugründer, die wenig zu verlieren und viel zu gewinnen haben, sind nach Christensen in der Lage, ein solch hohes Risiko einzugehen.

 

Disruptive Thinking

#disruption setzt jedoch auch einen anderen Denkansatz voraus. Gegenwärtig liegt auf meinem Nachttisch ein Buch von Bernhard von Mutius « Disruptive Thinking » (GABAL Verlag, 2017).
Darin geht er auf eindrückliche Art und Weise auf dieses Thema ein.

«Es heisst zunächst in nicht-linearen Entwicklungen denken zu können. Vor allem aber immer im Auge zu behalten «das geht nicht gleich vorüber». «Was wirklich passiert, werden wir wahrscheinlich erst in ein bis zwei Generationen richtig wissen», heisst es bereits zu Beginn des Buches.

Aus diesem Grunde möchte ich hier seine 3 Thesen – oder vielleicht eher Hypothesen – zitieren, welche diese Aussage unterstützen.

These / Hypothese 1

Wir leben in einer Übergangszeit von einer alten in eine neue Welt. Eine grosse Transformation. Die digitale Transformation kann in seinen Auswirkungen und ihrer Wucht der industriellen Revolution gleichgesetzt werden.

Diese Transformation ist nicht nur eine technologische, sondern auch eine soziale und kulturelle, welche unser ganzes Denken und Verhalten drastisch verändert.

 

These / Hipothese 2

«Übergangszeit» heisst: Einiges bisherige funktioniert nicht mehr richtig und manches Neue noch nicht ganz erwartungsgemäss. Jeder von uns wird dies instinktiv spüren zum Beispiel am immer grösseren Druck unter welchem wir leben und arbeiten.  Dazu gesellt sich noch ein Gefühl von Nichtwissen was morgen geschehen wird.

Das alles gehört zu einer Übergangszeit: Widersprüche, Konflikte und Unsicherheiten.  Das Alte lehnt sich auf gegen das Neue.

 

These / Hypothese 3

Die gegenwärtige Transformation ist selbst auch eine Revolution. Wir können sie eine #kreativeRevolution nennen. Es geht dabei um die Entfaltung der kreativen menschlichen Fähigkeiten, ermöglicht durch die digitalen Technologien und Netze.

#kreativeRevolution sagt: Wir haben keine Ahnung, was in fünf oder 10 Jahren passieren wird. Die sich gegenwärtig in Entwicklung befindenden digitalen Technologien sind nur Bedingungen der Möglichkeit.

Um sie zu entfalten brauchen wir menschliche Kreativität, Schöpferkraft und zwar in einem bisher nicht geahnten Ausmass.

Disruptive Thinking ist die Kunst und Disziplin für diese Revolution

(Bernhard von Mutius; 2017)

 

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