Fast täglich kommen neue Dienstleistungen, Begriffe auf uns zu. Es wird aber auch zunehmend schwieriger sich dabei einen Überblick zu schaffen, nicht zu sprechen darüber, wie all diese neuen Ideen richtig einzuordnen sind.

Erst kürzlich bin ich mit dem Begriff «Internet der Dinge» konfrontiert worden und muss gestehen, dass ich damit gar nichts anfangen konnte. Internet kennen wir alle. Was ein Ding ist, kann sich jeder selbst ausmalen. Aber ein «Internet der Dinge» war schon eine kleine intellektuelle Herausforderung für mich. Sollen wir nun auch Dinge untereinander vernetzen? Computer sind es ja bereits! Man spricht ja auch schon seit einiger Zeit sogenannte RFID Chips in Kleider einzubinden usw.

Also bin ich auf die Suche gegangen, um herauszufinden was es mit dem «Internet der Dinge» auf sich hat. Dabei habe ich einige überraschende Entdeckungen machen dürfen.

Wir brauchen (fast) immer eine klare Definition für neue Begrifflichkeiten. So habe ich natürlich auch gesucht was «Internet der Dinge» bedeuten könnte. Es lag also auf der Hand unser vielgeliebtes Wikipedia zu bemühen, welches – hilfsbereit wies es halt so ist – sofort eine Definition vorschlägt:

Das Internet der Dinge (auch englisch Internet of Things, Kurzform: IoT) beschreibt, dass der (Personal) Computer zunehmend als Gerät verschwindet und durch „intelligente Gegenstände“ ersetzt wird. Statt – wie derzeit – selbst Gegenstand der menschlichen Aufmerksamkeit zu sein, soll das „Internet der Dinge“ den Menschen bei seinen Tätigkeiten unmerklich unterstützen. Die immer kleineren eingebetteten Computer sollen Menschen unterstützen ohne abzulenken oder überhaupt aufzufallen. Zum Teil werden miniaturisierte Computer so genannten Wearables mit unterschiedlichen Sensoren direkt in Kleidungsstücken eingearbeitet. In seinem Aufsatz von 1991 The Computer for the 21st Century sprach Mark Weiser zum ersten Mal von dieser Vision.

Das Internet der Dinge bezeichnet die Verknüpfung eindeutig identifizierbarer physischer Objekte (things) mit einer virtuellen Repräsentation in einer Internet-ähnlichen Struktur. Es besteht nicht mehr nur aus menschlichen Teilnehmern, sondern auch aus Dingen. Der Begriff geht zurück auf Kevin Ashton, der erstmals 1999 „Internet of Things“ verwendet hat. Bekannt wurde das Internet der Dinge durch die Aktivitäten der Auto-ID Labs.

Die automatische Identifikation mittels RFID wird oft als Grundlage für das Internet der Dinge angesehen. Allerdings kann eine eindeutige Identifikation von Objekten auch mittels Strichcode oder 2D-Code erfolgen. Weitere Technologien wie Sensoren und Aktoren erweitern die Funktionalität um die Erfassung von Zuständen bzw. die Ausführung von Aktionen. (Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Internet_der_Dinge).

Zusammengefasst kann man also sagen, dass die Hauptzielsetzung darin liegt, die Informationslücke zwischen der realen und virtuellen Welt zu minimieren.

Die nächste Frage, welche ich mir nun stellte war „was kann ich als Konsument, Bürger oder einfache Person damit anfangen?“. Dabei habe ich in der Schweiz ein Startup entdeckt, welches sich aktiv damit befasst.

Firma qippDie Firma qipp, welche der Compagnon für alle Dinge werden will, die uns wichtig sind.

Egal, ob es ein Fahrrad, ein Smartphone, ein Rucksack, ein Mixer oder das Ölgemälde des Großvaters ist: qipp ist der Begleiter, der sich um alle wichtigen Dinge kümmert und einem hilft, sie zu organisieren, Neues zu entdecken und seine Freude über sie zu teilen.

Und wie funktioniert nun dieses «Internet der Dinge mit qipp?»

  • qipp ist ein neuer Webservice und macht’s super einfach:
  • allen Dingen, die dir wichtig sind, ein digitales Profil zu geben,
  • sie um nützliche und spielerische Fähigkeiten zu erweitern und
  • Kommentare und Meinungen über Dinge direkt mit denen zu teilen, die du magst.

Was heißt das nun? Man stelle sich einfach die folgende praktische und reale Situation vor:

fahrradbeispiel Produktlabel qipp

 

 

 

 

 

Stell dir vor, du kaufst nächsten Samstag ein neues Fahrrad, genau dein Traumbike.
Und auf dem Bike ist ein Label angebracht, das dir drei Dinge verspricht:

o   Kostenloser Lost & Found-Service

o   Kostenloses Flickset erhalten

o   Und erfahren, was dein Fahrrad zukünftig sonst noch alles für dich erledigen wird.

 Ist doch eine interessante Perspektive?

Wenn man diese Geschichte etwas näher betrachtet, so kann man schnell erkennen, welches Potenzial sich daraus auch für Unternehmen ergibt. Produkte sind nicht mehr einfach Dinge, welche man verkauft, sondern sind ein Gesamtpaket bestehend aus einem Produkt und einer Vielzahl von Zusatzdienstleistungen, welche der Kunde damit gleichzeitig erhält.

1to1FutureDa sind wir nicht mehr fern von der Vision, welche Don Peppers und PhD Martha Rogers 1993 in ihrem Buch „1to1 Future“ beschrieben haben. In der damals publizierten Vision – welche heute zu weiten Teilen Realität geworden ist – schrieben sie auch über die Personifizierung der Dienstleistungen aufgrund von präzisen Kundensegmenten (nach Needs und Lifetime-Value). Die Personifizierung bestand darin Produkte und Dienstleistungen den jeweiligen Bedürfnissen genau anzupassen (mass customization).

qipp ist eine der möglichen Lösungen für diese Personifizierung von Produkten und Dienstleistungen. Es ist jedoch noch ein weiter Weg bis alle Unternehmen die Vorzüge einer derartigen Lösung entdeckt haben. Es gibt sicherlich noch einige Herausforderungen zu lösen wie z.B. Standardisierung von Produkte-Nummern, – Bezeichnungen usw..

Aber das ist hier ja nicht die Frage. Es geht vielmehr darum, diese ersten Bestrebungen als Konsument aktiv zu nutzen und darüber zu sprechen. Je mehr wir darüber sprechen und die Idee und deren Vorzüge teilen, desto grösser ist die Chance, dass dieses Beispiel aus der Schweiz Schule machen wird und daraus die Erfolgsstory wird, welche sie sicherlich verdient.

Ich wünsche auf jeden Fall viel Energie und Erfolg auf dem weiteren Weg der Umsetzung dieser Geschäftsidee, welche den Kunden so ins Zentrum setzt.

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Zum Schluss noch einige Links zu weiterführenden Informationen:

12.03.2014: Was Kunden wollen: ETH / HSG-Studie untersucht Attraktivität von produktnahen Dienstleistungen nach dem Kauf eines Produkts

19.02.2014: Das ETH Spin-off qipp kündigt White-Label-Version seines Webdienstes an, der 99% der heute noch nicht ans Web angebundenen Dinge mit Nutzern vernetzt

19.02.2014: ETH Spin-off qipp zeigt am MWC erste Internet-der-Dinge-Anwendungen basierend auf batterielosen BLE-Tags

07.02.2014: qipp lanciert und gewinnt Award

06.02.2014: ETH Spin-off qipp lanciert digitalen Assistenten für Lieblingsdinge

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