www.swisslegaltech.ch organisierte am 2.- 4. Oktober in Zürich den ersten «Swiss Legal Tech Hackaton & Conference» Event. Ein interessantes Stelldichein für «legal hackers», Rechtsanwälte und weitere an der digitalen Transformation interessierte Menschen. Teil der Veranstaltung war ein 48 Stunden Hackaton zum Thema «let’s solve legal tech issues» mit 150 Teilnehmern (aus 300 Bewerbern) aus vielen unterschiedlichen Ländern.

Die Resultate waren beeindruckend. Was junge Coder, begleitet von sog. «legal advisors» in 48 Stunden als Prototyp realisieren, ist schlichtweg hervorragend. Die Organisatoren haben es geschafft eine Veranstaltung zu realisieren, welche eine gute Mischung zwischen Break-out Session und Keynotes anbot. Selbstverständlich durfte auch das Start-Up-Pitching nicht fehlen und zeigte erste Umsetzungsprojekte.

Ein Satz ist mir doch etwas stark eingefahren:

«The law firm of the future is client centric»
(In Zukunft müssen die Anwaltsfirmen kundenzentrischer werden;
der Kunde muss ins Zentrum gesetzt werden).

Diesen Satz stammt von einem der Referenten zum Thema «The Law Firm Of The Future».

Was heisst das?

Entdecken die Anwälte 25 Jahre nach der Publikation von Don Peppers „1to1 Future“ den Kunden?
Wenn man den Kunden erst in Zukunft ins Zentrum stellen will, was hat man dann bisher getan?
Zählten bis heute nur die «billable hours?».

Ob es dabei ausreicht, wie Amazon in den Sitzungszimmern einen leeren Stuhl zu platzieren oder wie Zalando die Sitzungszimmer im Wohnzimmerstyle einzurichten, was den Kunden stellvertreten soll, wage ich zu bezweifeln.

Aber lassen wir den Sarkasmus für einen Augenblick beiseite. Der Satz ist insofern ein kleiner Moment der „Erleuchtung“, zeigt er doch, dass auch eine hoch spezialisierte Branche – ähnlich wie die Medizin und andere Branchen – umdenken muss.

Warum muss sie das?

Die Antwort ist relativ simple: Technologische Entwicklung, Veränderung des Kundenverhaltens sowie verändertes Marktumfeld beschäftigen auch diesen Markt, obwohl die Umsätze in den letzten Jahren – trotz Finanzkrise – kontinuierlich gestiegen sind. Somit darf man ruhig festhalten, dass auch Anwaltsfirmen mit ähnlichen – wenn nicht gar denselben – Herausforderungen kämpfen, wie es auch die anderen KMUs tun, nämlich Veränderungen erkennen, neue Wege suchen, um auch in Zukunft noch relevant zu bleiben.

«Done is better than perfect –
80% solution in time is better
than 100% solution too late»

scheint auch in diesem Marktumfeld zum Mantra zu warden.

Es ist natürlich auch für diese Branche schwierig, sich in der Flut von Veranstaltungen, Publikationen und Expertenmeinungen zurecht zu finden. Dies umso mehr, als die gegenwärtigen Veröffentlichungen in den Zeitschriften sehr stark auf die „Weltuntergangsvariante“ ausgerichtet sind: «AI und ROBOTER werden unsere Arbeitsplätze verschwinden lassen» u.ä.m. .

 

Meine Take-Aways

Obwohl sehr viel und zurecht über legal tech gesprochen wurde, zeigten mehrere Referenten auf, dass ein strukturiertes Vorgehen zwingend notwendig wird. Dazu gehören u.a. die berühmten 4 Fragen (siehe St. Galler Business Model Navigator):
WER ist mein Kunde?
WAS bieten wir dem Kunden an?
WIE erstellen wir diese Leistung?
Wie wird WERT generiert?

Das von Dr. Paul von Brünau präsentierte Referat zum Thema AI war eines der Besten, welches ich in letzter Zeit besuchen durfte. Einfach, klar, sehr verständlich. Er erklärte wie sich AI in den letzten Jahren weiterentwickelt hat mit praxisnahen Beispielen.

Ergänzt wurde dieses Referat von @mengwong von www.legalese.com, welcher dieses Thema auf eine Art und Weise vermittelte, welche ich als einmalig bezeichnen möchte. Bezugnehmend u.a. auf Richard Susskind zeigte er die praktischen Anwendungen von legal tech im Anwaltsberuf.

Die Konferenz zeigte auf eindrückliche Art und Weise auf, dass das Thema Prozessoptimierung resp. Industrialisierung auch im Anwaltsberuf angekommen ist. Aufgrund der immer grösser werdenden Komplexität, den höheren Anforderungen im Bereich Compliance und der Tatsache, dass Kunden sehr preissensitiv geworden sind, wird auch dieses Marktumfeld gezwungen Effizienzsteigerungsbestrebungen vorzunehmen. Dazu liefert LegalTech einige vielversprechende Lösungsansätze.

Das Thema Privatspäre scheint endlich an Bedeutung zu gewinnen. Während die Techbranche eher von «Privacy is dead» spricht, sucht die LegalTech-Branche – aber auch die Akademie – nach Lösungen, welche eher in Richtung «privacy by design» gehen und sich damit befassen, wie die gesamte Datenschutz-Thematik (siehe GDPR 05/2018) sich mit der Digitalisierung verträgt.

FAZIT

Eine in allen Belangen gelungene erste Ausgabe. Ich freue mich bereits auf die Konferenz 2018 und bin überzeugt, dass die Organisatoren die eine oder andere Verbesserung und Überraschung präsentieren wird.

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