Am 16./17. März 2016 fand in Interlaken die führende Konferenz zu Strategien und Erfolg im digitalen Wandel statt. Rund 20 Referentinnen und Referenten aus dem In- uns Ausland präsentierten den 450 Entscheidungsträgern der Schweizer Wirtschaft Lösungsansätze und Strategien für den Weg in eine erfolgreiche digitale Zukunft. Organisiert wurde der Event von NZZ Konferenzen & Services.

Ich durfte, auf Einladung der NZZ, zum ersten Mal an dieser Veranstaltung teilnehmen und möchte meine Eindrücke und Takeaways dokumentieren.

Gesamteindruck

Der Anlass fand im Victoria-Jungrau SpA Hotel in Interlaken statt. 450 Entscheidungsträger aus der Schweizer Wirtschaft waren anwesend und nutzten die Networking-Möglichkeiten und den Austausch mit Referenten aktiv.

Die Organisation war perfekt, das Line-Up war herausragend und die zur Verfügung gestellte #X_daysApp liess wenig Wünsche übrig. Interessant war, dass die Teilnehmenden – obwohl anwesend zum Thema #digitaleTransformation – die Möglichkeiten der App wenig nutzten, was den Organisator für die Zukunft wohl dazu veranlassen wird, dieses Kommunikationsmittel noch stärker zu vermarkten.

Die Veranstaltung hat das Ziel der Sensibilisierung und vertieften Informationsvermittlung zum Thema #digitalerWandel absolut erreicht.

Moderiert wurde der Anlass mit grossem Fachwissen und sprachlicher Kompetenz (E/D/F) von Melinda Crane, einer US-amerikanischen Journalistin.

Nachfolgend meine persönlichen Highlights.

Phil Libin, Co-Founder & Executive Chariman Evernote, erläuterte während 45 Minuten seine Sicht auf die #digitaleTransformation. Nicht nur zeigte er ein äusserst interessantes Bild der Zukunft, seine Keynote beinhaltete nicht ein einziges Slide! Ich habe schon lange nicht mehr Teilnehmer so still und andächtig zuhören gesehen.

Basierend  auf dem S-Kurven-Konzept, bekannt als strategisches Instrument des Innovationsmanagements, demonstrierte er eindrücklich, dass Innovation immer in wirtschaftlich schwierigen Zeiten geschieht. Hier einige seiner wichtigsten Kernaussagen:

“Cognitively ergonomic products will be the next big change in industry. Most of the currently existing products and services will be re-written/re-designed in order to fit even better to the way customers think, expect and behave.”

“I believe that concerns about #AI reflects humanity’s guilt about how we behave, assuming something smarter than us would behave equally badly.”

“Es ist sehr einfach in Bezug auf Neues kritische Fragen zu stellen. Das lässt uns wirklich “cool” aussehen. Denn wenn man kein “ja-aber” rauslässt, wird man als “naiv” wahrgenommen. Dies scheint ein Problem des heutigen Menschen zu sein, dass es für ihn einfacher ist Risiken zu sehen, als das Positive zu erkennen.

#Snackification ist für Phil das neue #buzzword und man versteht darunter die Tatsache, dass wir Dinge immer kürzer tun, dafür aber häufiger.

Ben Hammersley zeigte den Teilnehmern, wie man mit #storytelling (Cultural Shifts Follow Moore’s Law) ein äusserst pointiertes Bild der Zukunft zeichnen kann. Unter anderem erzählte über die grosse Veränderung welche in den USA die Bewohner entlang der Route 66 traf, als man die Route 66 (von Chicago nach Los Angeles) ersetzte durch neuen Interstate Highways (80, 70 und 15). Sämtliche Orte entlang der Route 66 verloren auf einen Schlag die wirtschaftliche Grundlage, weil niemand mehr diese Strasse benutzte.

Eine begeisternde Keynote. Hier einige seiner wichtigsten Kernaussagen:

“if your job has no human element inside (inspiration, imagination, empathy…) you have to look for a new career in the future.”

“MeatPuppets” are people who keep the chair warm until the Artificial Intelligence takes over their jobs.

“Wir sollten alle aus der Kodak-Geschichte lernen. Wir müssen uns aber auch bewusst sein, dass immer mehr Funktionen vollständig digitalisiert werden.” Dazu zitierte er einige anschauliche Beispiele wie z.B. LawGeek ein Beispiel aus der Welt der Juristen.

Empfehlenswerte Lektüre ist das Buch von Ben Hammersley “Now fort then, how to face the digital future without fear“, erschienen 2012 bei Hodder & Stoughton.

Walter Oberhänsli, CEO der Versandapotheke Zur Rose kämpfte sich mit viel Charme und grossem Humor durch die Widrigkeiten einer Powerpointpräsentation «Gesundheit wird digital» und sorgte für etwas Auflockerung unter den Teilnehmern.

Inhaltlich brachte er es jedoch auf den Punkt und zeigte ein Bild des schweiz. Gesundheitswesens, welches die eine oder andere Frage aufwirft, auch wenn die Situation im benachbarten Deutschland nicht besser ist. Eindrücklich zeigte er anhand von konkreten Beispielen, dass das Gesundheitswesen in der Vernetzung, verglichen mit anderen Branchen, einen Rückstand von mindestens zehn Jahren aufweist.

  • Wie kann es sein, dass ein Kunde für ein nicht-Rezept-pflichtiges Produkt zuerst vom Arzt ein Rezept einholen muss, bevor er es online bestellen kann? Ist das die Art wie unser Land die Kosten des Gesundheitswesens in den Griff kriegen will?
  • Wie kann es sein, dass wir es immer noch mit einem Markt zu tun haben, welcher überreguliert ist und in keinster Weise auf die Kundenbedürfnisse und Veränderungen des Kundenverhaltens einzugehen scheint?
  • und zum Schluss: wie kann es sein, dass sich ein Markt nicht mehr um Qualität und Sicherheit kümmert, denn die vielen Medienbrüche und Doppelerfassungen führen unweigerlich zu Fehlern und höheren Kosten?

Sein Fazit lautete somit: a) es ist höchste Zeit es einfach zu tun b) Big Data revolutioniert auch das Gesundheitswesen und schlussendlich c) dem Arztneimittelversand kommt in der sich abzeichnenden Entwicklung eine Vorreiterrolle zu.

Unter dem Titel «Disruptoren und neue Geschäftsmodelle» wurden 3 Beispiele vorgestellt.

  • Outfittery: Julia Bösch zeigte auf wie man «Männer glücklich macht», wohl verstanden beim Shopping.  Neuer Prozess, Emotionalisierung, Vertrauen und Fokus auf langfristige Kundenbeziehungen stehen hier im Zentrum.
  • GetYourGuide: Pascal Mathis demonstrierte am eigenen Beispiel, dass man immer die Augen offen halten sollte für sich bietende Chancen und dann einfach das Prinzip «just do it!» anwenden. Es zeugt schon von Mut wenn man von einer Bank auserkoren wird für ein Funding und anlässlich der Übergabe des Checks einfach darauf hinweist, dass man noch eine bessere Idee gefunden habe und dieses Funding dazu benutzen werde.
  • QoQa. Pascal Meyer, Gründer und CEO von QoQa gab eine der erfrischendsten Keynotes in französischer Sprache und riss mit seinem Sprachtempo und Witz die Teilnehmer richtig mit. Eigene Regeln zu definieren und diese am Markt durchzuziehen, scheint hier das Erfolgsgeheimnis zu sein.

 

“The Dark Side of the Moon”, es handelte sich für einmal nicht um die Pink Floyd, war der Titel von Jamie Bartletts Keynote. Er hatte sich zwecks Recherchen für sein Buch “The Dark Net: Inside the digital underworld” auf eine Reise ins DarkNet, eine Art Wilder Westen des Internets begeben und dabei einige interessante Dinge entdeckt. Hier die wichtigsten Takeaways:

“More and more users download the browser Tor because of their privacy concerns.”

“DarkNet provides better quality for less money.”

“I was impressed by the quality of customer services provided by drug dealers.”

“The DarkNet was able creating incredible new processes, especially in the area of customer management, payments for goods and the handling of privacy.”

“The solutions found by the DarkNet for current questions and problems (privacy, payment processes etc.) , may be the future solutions of the LightNet.”

Interessant war auch Jamie’s Feststellung, dass er zu Beginn das DarkNet mit grosser Skepsis betrachtet habe, dass er aber beim Näher-Hinschauen feststellen musste,  dass die Lösungsansätze für heute bekannte Problemstellungen wie z.B. Privatsphäre, Zahlungsverkehr u.v.m., im DarkNet perfekt gelöst worden seien. Man könne sich nun fragen, inwieweit diese technischen Lösungen in die digitale Transformation miteinbezogen resp. übernommen werden könnten.

Keren Elazari, eine Cyper Spezialistin aus Israel hat es geschafft, der Mehrheit der Teilnehmer ein vollständig neues Bild des Hackers zu präsentieren.

Hackers are crucial to defend our future

Es gehe den Hackern heute nicht um Kreditkarten und Passwörter, sonder vielmehr darum sicherzustellen dass Cyber Security ins richtige Licht gerückt werde und bei allen Unternehmen eine entsprechende Beachtung erhalte. Anhand von interessanten Beispielen zeigte sie auf, wie Unternehmen heute Hacker in die Produktentwicklung miteinbeziehen können. Dabei handelte es sich um die Automobilindustry, das Gesundheitswesen aber auch Beispiele aus der Welt der Drohnen.

Hackers test the boundaries of new technologies.

The real bad guys in technologies are the guys who create bugs and backdors.

Hackers are not “meat puppets”. They are not replaceable by algorithms. Encourage your kids to become one.

If you are not paying, you are probably the product: thinking about privacy.

 

Johs Linkner, von Barack Obama 2011 mit dem Champion of Change Award ausgezeichnet, sprach über “Innovation: fresh approaches to growth and transformation in the digital age”. Er zeichnete ein eindrückliches Bild der gegenwärtigen und sich in Entwicklung befindenden Innovationen.

Emergency medical supplies will now delivered by drones; nanobots will enable remote cancer surgery.

People use dog poop to power their homes; restriction probably the size of the dog.

The most powerful technology in the world is human creativity.

Besonders gefallen hat mir sein einfaches Innovationsprinzip, welches er mit anschaulichen Beispielen präsentierte:

Defy tradition: Am Beispiel des Pâtissiers, welcher aus Donuts die Cronuts erfand und damit sehr erfolgreich ist.

Everday innovation: “A little layer of innovation can make all the difference”

Get scrappy: “let your creativity make up for lack of resources” https://t.co/2nofRoZz3b

Adapt fast. The example auf BMW and Audi’s billboard war in USA: https://youtu.be/8vdPRqOg_aE

 

Alec Ross, bekannt dafür dass er 2008 Barack Obama’s Wahlkampagne ins Internet brachte aber auch als Berater für strategische Fragen rund um den technologischen Wandel, beendete den Event mit einer Keynote “The Industries of the Future”.

“Every active begins with a ” a definition of by Pablo Picasso

“What comes next after the periode 1995-2015? The answer: “Land was the raw material of agriculture age; iron of industrial age; data of our age”

“90% of the world’s data in all of history has been produced in the last 2 years”

“Robots don’t get sick and don’t unionize; they will not just replace manual labor, but cognitive non-routine work.”

“The world’s next trillion-dollar industry will be created from genetic code”. Bio-tech will be huge.

“We will increasingly be able to detect stage 1 cancers with liquid biopsies;” will become mainstream in 5 years.”

“Strongly advise CEOs to create a seat at the table for digital natives.”

“Blockchain technology will transform a variety of industries.”

“The next big thing will come out of the genetic code. But I am not sure if human beings are able to cope with this kind of insight yet.”

“Those willing to do away with hierarchies will be successful in the future.”

Sein Buch “The Industries Of The Future” ist soeben erschienen.

Zusätzliche Informationen

Youtube Kanal der NZZ Konferenzen mit sämtlichen Interviews der Keynote Speaker.
Was während des ersten Tages auf Twitter lief.
Auch am zweiten Tag wurde «gezwitschert».
Bilder zum Event.

Veit Dengler, der CEO der NZZ Mediengruppe, über Chancen und Risiken der Digitalisierung.
https://youtu.be/mllkOVtxCr4

 

Haben Sie Fragen zum Thema «digitale Transformation» und möchten mehr über ein mögliches Vorgehen erfahren?

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